E-Autos: Reichweite bringt Markterfolg, Restwert und Kostenvorteile

Erfolg von E-Autos
Reichweite bringt Restwert und Markterfolg

ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.03.2026
E-Auto Reichweite Restwert
Foto: KI generiert

Eine aktuelle Analyse der Online-Plattform Carvago zeigt: E-Autos verlieren in 3 Jahren teils bis zu 70 Prozent an Wert – doppelt so viel wie Verbrenner. Die Analyse vergleicht den Wertverlust von Elektroautos und ihren Pendants mit Verbrennungsmotor derselben Marke und desselben Segments auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt. Die Datenquelle bilden Online-Inserate auf den großen deutschen Portalen.

Das Datenteam von Carvago analysierte die Preisentwicklung bei zehn ausgewählten Modellpaaren mit unterschiedlichen Antriebsarten und verglich die Anschaffungspreise von Ende 2022 mit den aktuellen Median-Beträgen, die für dreijährige Gebrauchtwagen im letzten Quartal 2025 verlangt wurden.

Mercedes EQE mit heftigstem Wertverlust

Die deutlichsten Wertverluste beobachtete Carvago bei Luxusautos und französischen Fahrzeugen. Der Wert des elektrischen Mercedes EQE schrumpfte in drei Jahren um fast 70 Prozent, während es bei der Verbrenner-E-Klasse knapp 50 Prozent waren. E-Autos verlieren aber auch im Mainstream-Segment spürbar stärker an Wert. Der Volkswagen ID.4 büßte 46,1 Prozent seines ursprünglichen Preises ein, während sein Verbrenner-Äquivalent, der Tiguan, lediglich 34,5 Prozent verlor. Die Modelle Peugeot e-208 und Citroën ë-Berlingo verzeichneten einen Rückgang von 53,6 Prozent bzw. 57,9 Prozent. Bei beiden bedeutet dies einen Verlust, der etwa 20 Prozentpunkte höher liegt als bei ihren konventionell angetriebenen Parallelmodellen.

Am krassesten war der Unterschied beim Hyundai Kona, dessen E-Version in drei Jahren mehr als 50 Prozent an verlor, während es beim Verbrenner-Pendant nur gut die Hälfte war.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Batteriebetriebene Autos verlieren erheblich schneller an Wert als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Obwohl der Kaufpreis für ein neues Elektroauto vor drei Jahren in den meisten Fällen höher war, werden sie für neue Käufer auf dem Gebrauchtmarkt heute zur oft günstigeren Alternative.

Status Quo: E-Autos besser gebraucht kaufen

"Die dynamische technische Entwicklung bei Elektrofahrzeugen führt dazu, dass ältere E-Autos für Kunden schneller an technischer Attraktivität verlieren. Damit einher geht auch eine gewisse Zurückhaltung bei einem Teil der Gebrauchtwageninteressenten gegenüber Batteriefahrzeugen, was deren Restwert naturgemäß nach unten drückt", erklärt Artur Schwendner, Country Manager Deutschland und Österreich bei Carvago.

Was Käufer elektrischer Neuwagen viel Geld kostet, wird für Gebrauchtwagenkäufer zum Vorteil. Wer "die Anschaffung eines Elektroautos aus zweiter Hand in Erwägung zieht, findet auf unserem Sekundärmarkt Fahrzeuge in perfektem Zustand zu sehr günstigen Preisen," ist sich Schwendner sicher.

Hoher absoluter Wertverlust teuerster Kostenfaktor

Carvago liest aus seiner Marktbeobachtung ab, dass die schnellen Fortschritte bei der Entwicklung von E-Autos die aktuellen Modelle rasch an Attraktivität und damit an Wert verlieren lässt. Manche Modelle sind zudem aus anderen Gründen wenig beliebt, stehen offenbar gebraucht wie Blei. Ihr Restwert schmilzt wie Eis in der Sonne – oder ihre Reichweite bei Kälte. Vom Mercedes EQE gab es anfangs kaum Modelle, die 600 km WLTP-Reichweite überschritten – kein Wert, der bei Oberklasse-Fahrzeugen heute als angemessen gilt, man denke nur an den neuen BMW i3 mit 900 Kilometer Reichweite.

Gleichzeitig erreichte der EQE designerisch offenbar die wenigsten Kunden der Marke. Zudem war er anfangs ziemlich teuer; zwar begann die Preisliste unter 70.000 Euro, reichte aber bis rund 110.000 Euro. Carvago hat als Medianpreis für 2022 einen sechsstelligen Betrag ermittelt. Daraus ergibt sich ein durchschnittlicher absoluter Wertverlust pro Jahr von mehr als 20.000 Euro. Daran lässt sich erkennen, wie sehr die Kombination aus hohem Preis, allenfalls durchschnittlicher Reichweite und hohem relativem Wertverlust auf die absoluten Kosten drückt.

Reichweite bringt Restwert

Darüber haben wir mit Maarten Baljet gesprochen. Er ist Teil der Geschäftsführung von Bähr und Fess Analytics. Bähr und Fess bietet seit Jahren Restwertprognosen, Portfolioanalysen und Beratungsdienstleistungen an. Baljet erklärt den Wertverlust beim EQE in der Carvago-Analyse allgemein: "Die Reichweite ist für die Wertstabilität hoch relevant. Allerdings ist sie nur wirkungsvoll in Kombination mit einem vertretbaren Preis. Ist der zu hoch, kann auch eine überragende Reichweite mit hohem Wertverlust einhergehen."

Insgesamt überzeugten auf dem E-Auto-Markt "bislang nur eine geringe Zahl an Modellen durch das richtige Verhältnis von Preis, Reichweite und Markenimage. Und die Kunden zeigen sich meist gut informiert. In der Folge wird der Markt von wenigen Top-Modellen dominiert, die hohe Absatzzahlen erzielen", so Baljet.

Wo ist das Ende des Fortschritts?

Und der Analyst erklärt, dass die schnellen Fortschritte bei der E-Auto-Entwicklung zwar erfreulich und notwendig sind, aber auch eine Kehrseite haben: "Die großen technologischen (Reichweiten-)Sprünge bei Generationswechseln von Modellen oder auch innerhalb des Lebenszyklus wirken wie eine Deflation: Die Zukunft bringt mit großer Wahrscheinlichkeit ein Modell zu ähnlichen Preisen, aber mit mehr Reichweite – oder eben die gleiche Reichweite aber zum niedrigeren Preis. Warten wird somit grundsätzlich belohnt und die Nachfrage für aktuelle Modelle gehemmt."

Wann wenden sich die Kunden massenhaft dem E-Auto zu, wann kommen sie aus ihrer Warteposition? Sind mit einer WLTP-Reichweite von 900 Kilometern wie beim neuen BMW i3 zu Preisen, die erkennbar unter 70.000 Euro (vgl. iX3) liegen werden, die entsprechenden Schwellen unterschritten? Und wie könnte sich der Restwert des Bayern-Stromers entwickeln?

Maarten Baljet sagt dazu: "Ein Blick auf die absolute Gebrauchtwagenpreisentwicklung des auslaufenden Vorgängermodells i4 zeigt, dass es ihm gelungen ist, sich im Wettbewerbsvergleich positiv abzuheben. Die Gebrauchtwagenpreise des i4 eDrive40 sind im Vergleich zum Benziner-Modell 420 Gran Coupé nur etwas niedriger."

Abschließende Einschätzung des Analysten: "Mit deutlich verbesserter Reichweite hätte der neue BMW i3 somit eine gute Basis, ein stabiles Restwertverhalten an den Tag zu legen, sofern der Neupreis ausreichend moderat ausfällt."

Fazit