Ja, die Eckdaten von BMWs zweitem i3 waren erwartbar, denn er ist das zweite Neue-Klasse-Modell auf Basis der E-Auto-Architektur, mit deren Entwicklung BMW bereits 2019 begonnen hatte. So trägt der neue elektrische 3er zu Beginn den gleichen Antriebsstrang wie der iX3. Er verfügt also über:
- 800-Volt-Technologie
- Hochvoltbatterien mit neuen Rundzellen
- eine stromerregte Synchron-E-Maschine hinten
- eine Asynchronmaschine vorn
- Allradantrieb
- 345 kW/469 PS
- 645 Nm Systemdrehmoment (überbietet bei den Verbrennern selbst der M4 Competition nur knapp)
Diesel-Reichweite ganz ohne CO₂-Ausstoß
Noch nicht offiziell bestätigt, aber dennoch sicher: Die Batterie hat wie im iX3 eine Kapazität von 108,5 kWh. Und damit toppt die Limousine den SUV bei der Reichweite deutlich: 900 statt 805 Kilometer kommt der satte 15,5 Zentimeter flachere Viertürer mit einer Akkuladung (vorläufiger WLTP-Wert). Und weil mit der kleineren Stirnfläche Luftwiderstand und damit Verbrauch niedriger sind, lädt der i3 trotz gleicher Ladeleistung auch noch schneller: Bis zu 400 Kilometer Nachladen in zehn Minuten soll (nach WLTP) möglich sein.
Macht also 1.300 Kilometer mit einem Ladestopp, der kaum länger dauert als einmal Tanken. Und selbst wenn man die 300 Kilometer für den arg anspruchslosen WLTP-Zyklus abzieht, bleiben in der Praxis 1.000 Kilometer am Stück. Das entspricht selbst bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h, die heutzutage selten möglich ist, zehn Stunden Fahrt. Dabei machen Reisende sicher gern mehr als zehn Minuten Pause.
Bidirektionales Laden
Der i3 kann aber nicht nur Strom aufnehmen, sondern auch abgeben. Zum Beispiel ans E-Bike oder den Elektrogrill auf Ausflügen oder sogar zu Hause an Verbraucher im Eigenheim und last but not least ans Stromnetz. So profitiert der i3-Fahrer bei entsprechender Wallbox von teurem und günstigem Strom: Der Akku braucht keine Ladung bei Lastspitzen mit hohen Preisen, kann ihn aber in solchen Zeiten gewinnbringend und netzdienlich verkaufen. Bis zu 720 Euro lassen sich so pro Jahr erwirtschaften.
Neue Elektronik und Software
Was zur Neuen Klasse von BMW dazugehört, ist eine Elektronik-Architektur mit vier leistungsfähigen Rechnern statt einer dreistelligen Zahl dezentraler Steuergeräte von verschiedenen Herstellern, die schwer beherrschbar und vor allem nicht Over-the-Air-updatefähig sind. Die Leistungsfähigkeit dieser Architektur speziell beim assistierten und vor allem beim dynamischen Fahren ließ sich schon im iX3 bzw. in i3-Prototypen auf Eis und Schnee testen – und hat voll überzeugt.
Von der Elektronik soll auch der Verbrenner-3er profitieren, den es trotz all der überzeugenden Leistung des i3 weitergeben wird. Power of Choice nennt BMW das, was die Kunden den Münchnern offenbar hoch anrechnen: BMWs Bilanz 2025 kam ohne die derben Gewinneinbrüche der Konkurrenz aus und zusammen mit Mini war in Summe ein Absatzplus drin, obwohl auch die Bayern in China viele Federn lassen mussten.
Neue Klasse, neues Bedienkonzept
Ebenfalls für alle neuen BMW-Modelle ungeachtet des Antriebs: das von der Elektronik- und Software-Architektur ermöglichte Bedienkonzept BMW Panoramic iDrive. Es heißt so, weil ein Display über die gesamte Innenraumbreite unten an der Frontscheibenwurzel im Wortsinn ein ganzes Panorama an Informationen ausbreitet, das der Fahrer weitgehend frei gestalten kann. Dazu kommen ein fast 18 Zoll großer Touchscreen in der Mitte, ein Multifunktionslenkrad mit zahlreichen Tasten (jawohl, die gibt es noch), ein klassisches Head-up-Display und die Sprachsteuerung. Aber keine Angst: Alles kann, nichts muss. Und auch das Bediensystem machte in ersten Tests bereits eine sehr gute Figur.
Die Preisfrage
Bleibt BMW zunächst schuldig, obwohl der neue i3 schon im August zu kaufen sein soll. Ausgehend vom schnell auf 70.900 Euro erhöhten Preis des iX3 und einem bisherigen Preisabstand vergleichbarer Antriebe von rund 5.000 Euro zwischen SUV und Limousine mit der 3 in der Typbezeichnung dürfte der i3 als 50 xDrive zu Beginn nicht unter 65.000 Euro kosten. Aber wie beim iX3 wird es im zweiten Schritt Varianten mit Heckantrieb, also nur einem Motor, sowie kleinerem Akku geben. Die 60.000-Euro-Marke sollte also locker unterboten werden. Viel Geld? Ja, aber selbst der aktuelle 3er mit schnödem 156-PS-Vierzylinder kostet mindestens 47.000 Euro.
Nachhaltigkeit
Das umweltfreundlichere Auto fährt der i3-Käufer zweifellos: Abhängig von Antriebsvariante, jährlicher Fahrleistung und Erzeugung des zum Laden verwendeten Stroms erreicht der neue i3 laut BMW bereits nach 1–2 Jahren Nutzungsdauer einen CO₂-Vorteil gegenüber einem vergleichbaren Modell mit Verbrennungsmotor. Das gelingt auch, weil die Münchner bei der Produktion Treibhausgasemissionen entlang der Lieferkette reduzieren: erneuerbare Energien in der Produktion, der verstärkte Einsatz von Sekundärmaterial sowie geschickte Prozessverbesserungen machen es möglich. Und natürlich die Sparsamkeit des Autos selbst.
