Sie mögen englische Wortspiele bei Renault: Auf die 2021 unter dem früheren CEO Luca de Meo ausgerufene "Renaulution" folgt nun "futuREady", bereit für die Zukunft. Darin skizziert der neue Renault-Chef Francois Provost seinen Strategieplan bis 2030. Er fußt auf einer Produktoffensive, in deren Rahmen konzernweit 36 neue Modelle – davon 22 in Europa – innerhalb der nächsten 48 Monate auf dem Markt kommen sollen. Dazu will Provost insbesondere Entwicklungsprozesse beschleunigen und den Einsatz von KI-Technologien in allen Bereichen ausweiten.
Nachdem bereits der neue Twingo unter Beteiligung chinesischer Entwicklungspartner innerhalb von 24 Monaten zur Marktreife entwickelt wurde, soll diese Zeitspanne nun für alle Neuentwicklungen des Konzerns zum Standard werden. Alle Modelle sollen sich durch eine geringere Komplexität (30 Prozent weniger Teile) und eine höhere Qualität auszeichnen; das Ziel sind um 400 Euro reduzierte variable Stückkosten pro Jahr. Insbesondere Logistik- (Zielwert: -30 Prozent pro Fahrzeug) und Lagerhaltungskosten stehen hierbei im Fokus.
Das Ziel: Renault soll zum "europäischen Referenzhersteller" werden. "Wir formulieren den Anspruch, in Europa Produkte zu entwickeln und zu fertigen, die in puncto Attraktivität, Technologie und Wettbewerbsfähigkeit Maßstäbe setzen", sagt Provost. Die Märkte Indien, Südamerika und Südkorea sollen als "strategische Wachstumsregionen" ebenfalls zum Wachstum der Gruppe beitragen.
Bis 2030 strebt Provost für die Marke Renault über zwei Millionen verkaufte Fahrzeuge pro Jahr an, hälftig verteilt auf Europa (ausschließlich elektrifiziert) und außerhalb Europas (zu 50 Prozent elektrifiziert). Das Portfolio wird durch die Einführung einer neuen Plattform ausgeweitet: RGEV Medium 2.0 ist für eine 800-Volt-Architektur vorbereitet (ab 2028) und auf ein breites Modellspektrum vom B- bis zum D-Segment ausgelegt. Ladezeiten und Reichweiten sollen sich mit den Top-Angeboten der jeweiligen Klasse messen können; von bis zu 750 km nach WLTP in der reinen E-Version und maximal 1400 km für Versionen mit Range Extender ist die Rede. Damit ist klar, dass es auch nach 2030 im Rahmen des Hybrid-Angebots noch Verbrenner-Modelle des Konzerns in Europa geben wird.
Speziellen Augenmerk legt Provost auch auf Vertrieb und Kundenzufriedenheit. Renault strebt bis zum Ende des Jahrzehnts eine Markentreue von 80 Prozent über zehn Jahre an und plant dazu eine umfassende Modernisierung des Vertriebssystems. Das "Software-defined Retail"-Programm soll in diesem Bereich Kostenersparnisse von 20 Prozent ermöglichen, Over-the-air-Updates künftig 90 Prozent aller Fahrzeugfunktionen per Fernwartung aktualisieren. Gleichzeitig entsteht das erste gemeinsam mit Partner Google entwickelte carOS auf Android-Basis.
Der nächste Schritt für Renault ist die Weiterentwicklung des Software-defined Vehicle zum "Artificial Intelligence Defined Vehicle" (AIDV), das Infotainment, Fahrerassistenzsysteme (ADAS) und Fahrwerk intelligent steuern kann. Diese neue Plattform wird überwiegend in Frankreich entwickelt und soll die Kosten gegenüber aktuellen E-Fahrzeugen um 40 Prozent senken.
Ein weiteres Geschäftsfeld bleibt die Auftragsfertigung für die Allianzpartner Nissan und Mitsubishi sowie künftig auch Ford und Geely. Bis 2030 plant der Konzern hier mit einem Volumen von über 300.000 Einheiten weltweit.
