Versicherungsbetrug mit Fake-Fotos: KI-Kampf gegen KI-Bilder

Versicherungsbetrug mit Fake-Fotos
KI-Kampf gegen KI-Bilder

ArtikeldatumVeröffentlicht am 06.03.2026
Ki Bild Versicherungsbetrug
Foto: KI generiert

Versicherungsbetrug ist kein Randphänomen mehr. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist inzwischen rund jede zehnte Schadensmeldung auffällig. Der wirtschaftliche Schaden geht in die Milliarden: Schätzungen zufolge verlieren Versicherer jedes Jahr rund sechs Milliarden Euro durch manipulierte oder frei erfundene Schäden.

Gleichzeitig stoßen klassische Prüfverfahren zunehmend an ihre Grenzen. Viele Schadenfälle werden noch immer manuell gesichtet – ein zeit- und personalintensiver Prozess, der angesichts steigender Fallzahlen und eines angespannten Arbeitsmarkts immer schwerer zu stemmen ist. In der Branche wächst daher das Interesse an automatisierten Lösungen, die verdächtige Fälle frühzeitig identifizieren können.

KI hilft im Kampf gegen KI

Eine zentrale Rolle spielt dabei künstliche Intelligenz, insbesondere im Bereich der Bild- und Dokumentenforensik. Moderne Systeme analysieren eingereichte Fotos, Rechnungen und Schadenbeschreibungen automatisiert und gleichen sie miteinander ab. Dabei erkennen sie selbst subtile Manipulationen, etwa Veränderungen im Sensorrauschen digitaler Bilder oder sogenannte Copy-Move-Elemente – also Bildbereiche, die aus anderen Aufnahmen kopiert wurden.

Die zugrunde liegenden Modelle werden mit großen Datensätzen realer Schadenfälle trainiert. So lernen sie typische Muster von Betrugsversuchen ebenso wie die Struktur legitimer Schadensmeldungen. Verdächtige Fälle können dadurch frühzeitig markiert und gezielt an Sachbearbeiter zur weiteren Prüfung weitergeleitet werden. Das spart Zeit und Ressourcen – und sorgt zugleich dafür, dass berechtigte Ansprüche schneller bearbeitet werden können.

Fraunhofer entwickelt KI-Modelle

Solche Technologien werden inzwischen auch in Pilotprojekten eingesetzt. Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit des Technologieunternehmens a68 mit dem Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT), das entsprechende KI-Modelle für die automatisierte Schadenanalyse entwickelt. Erste Versicherungsunternehmen testen die Plattform bereits in der Praxis. Dazu zählt etwa die Göttinger Intec AG, die die Technologie derzeit in der Schadenprüfung erprobt.

Für Versicherer geht es dabei nicht nur um Betrugsabwehr, sondern auch um Effizienzgewinne. Automatisierte Vorprüfungen können Routineaufgaben übernehmen und Sachbearbeitern eine fundierte Einschätzung zur Betrugswahrscheinlichkeit liefern. Entscheidungen lassen sich dadurch schneller und zugleich nachvollziehbarer treffen.

Der Einsatz solcher Systeme dürfte in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Denn je digitaler Schadenmeldungen werden – etwa durch Smartphone-Fotos, Onlineformulare und automatisierte Prozesse –, desto größer wird auch der Bedarf an technologischen Gegenmaßnahmen gegen digitale Manipulation. Die KI könnte sich damit zu einem der wichtigsten Werkzeuge im Kampf gegen Versicherungsbetrug entwickeln.