China lechzt nach Schrott-Akkus

Gastbeitrag: Batterie-Recycling
China lechzt nach Schrott-Akkus

ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.03.2026
Christian Grimmelt Partner & Managing Director AlixPartners
Foto: Berylls by AlixPartners

Christian Grimmelt, Partner und Managing Director bei Berylls by AlixPartners, berät Unternehmen der Automobilindustrie zu Strategiefragen. Er hinterfragt in seinem Gastbeitrag die Erwartungshaltungshaltung von europäischen OEMs, durch Akku-Recycling in China schon bald günstig Rohstoffe wie Lithium und Kobalt beziehen zu können.

"Die Automobilbranche bejubelt derzeit Chinas neue "Open-Door"-Politik für das Batterierecycling. Worum geht es dabei? Vor kurzem hat China den Import von "Black Mass" (Schwarzmasse) – hochwertiges, mineralreiches Pulver aus recycelten E-Auto-Batterien – legalisiert und den Einfuhrzoll auf nur noch drei Prozent gesenkt. Dies wird vielerorts so interpretiert, dass China seine Dominanz in der Lieferkette ausbaut und europäische OEMs gleichzeitig massive Kostensenkungen von bis zu 60 Prozent erwarten könnten. Diese Sichtweise stellt jedoch eine grundlegende Fehleinschätzung der globalen Lieferkette dar – die Realität sieht anders aus:

  1. China dominiert nicht; es hungert nach Rohstoffen! China hat eine enorme Kapazität von 2,5 Millionen Tonnen für Batterierecycling aufgebaut, doch 70 bis 80 Prozent davon liegen derzeit ungenutzt brach. China öffnet den Importmarkt und senkt die Zölle für Schwarzmasse aus purer Verzweiflung, um seine leeren Fabriken auszulasten, nicht um westlichen OEMs Einsparungen zu ermöglichen.
  2. Europa hat Schwarzmasse nicht allein aus Gründen der Umweltsicherheit als Sondermüll eingestuft, es war vielmehr ein kalkulierter industriepolitischer Schachzug. Im Rahmen des Basler Übereinkommens wirkt diese Kategorisierung als De-facto-Exportverbot, das die Rohstoffe in Europa hält, um die Entstehung einer heimischen Industrie zu begünstigen.
  3. In Europa werden recycelte Batteriematerialien aus China keineswegs billiger sein als neu abgebautes Erz. Warum? Weil der Transport von hoch flüchtigen, gefährlichen Batterieabfällen satte 70 Prozent der gesamten Recyclingkosten ausmacht. Das Zeitalter der billigen Rohstoffe ist vorbei, es beginnt die Ära der "Grünen Sonderabgaben"!

Der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft für Batterien ist nicht mehr nur ein ESG-Thema; es ist ein harter Kampf um geopolitisches Risikomanagement und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. Wenn OEMs darauf setzen, bis 2030 billiges recyceltes Lithium und Kobalt aus China zu beziehen, könnten ihre Kalkulationen heute schon überholt sein."