Experte sicher: Megawatt-Charger für E-Lkw nicht überall sinnvoll

HPC für Nutzfahrzeuge
Megawattladen ist kein Allheilmittel

ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.03.2026
Lutz Eckstein RWTH Aachen
Foto: Privat
Wie stehen Sie zum Megawatt-Laden, ist das ein nächster denkbarer Schritt? Oder ist das eher Marketing-Getöse?

Megawattladen kann als komplementäre Lösung ein sinnvoller Baustein für den elektrischen Fernverkehr sein, ist aber kein Allheilmittel. Die Verbreitung wird davon abhängen, wo die Wirtschaftlichkeit trotz der systemischen Herausforderungen erreicht werden kann.

Sehen sie Megawatt-Laden in Europa mittel- oder langfristig in der Fläche oder bleibt die Technologie eher Spezialanwendungen vorbehalten?

Ich sehe Megawattladen als klar auf Transit- und Fernverkehrskorridore konzentriertes Netz und nicht flächendeckend wie Pkw-HPC. Studien und Pilotkorridore zeigen, dass wenige hundert strategische Standorte einen Großteil des Fernverkehrs abdecken könnten, während regionale Verkehre mit Depotladen auskommen.

Wo ist das Megawatt-Laden aus ihrer Perspektive sinnvoll und angebracht?

Sinnvoll ist das Megawatt-Laden aus Sicht des Fahrzeugbetreibers primär im Fernverkehr, wo ein wirtschaftlicher Vorteil aufgrund niedrigerer Standzeiten erzielt werden kann. Der englische Begriff für Nutzfahrzeuge benennt das entscheidende Kriterium: Commercial Vehicles.

Wie müssten die Modelle technisch verändert werden, um am Megawatt-Lader die volle Leistung nutzen zu können?

Batterie, Bordnetz und Leistungselektronik müssen mit noch höheren Strömen und Spannungen umgehen können. Herausfordernd ist aber auch das Thermomanagement: Beim Laden mit über 1 MW fallen temporär Wärmeverluste im zweistelligen Kilowattbereich an – nicht nur im Fahrzeug, sondern auch in der Ladeinfrastruktur, die beim Megawattladen eine noch wichtigere Rolle spielt.

Wäre es nicht sinnvoller, die Technik so weiterzuentwickeln, dass möglichst lange mit sehr hoher Leistung (z.B. am 400 kW-Lader) geladen werden kann?

Tatsächlich ist das HPC-Laden mit 400 kW in den meisten Fällen ausreichend, um während der gesetzlichen Lenkpausen ausreichend viel Reichweite für die geforderte Tagesfahrleistung nachzuladen. In besonderen Fällen, wenn etwa nächtliches Laden nicht möglich ist oder im Mehrschichtbetrieb gefahren wird, reduzieren höhere Ladeleistungen die Standzeiten und maximieren die Wirtschaftlichkeit.

Kann die HPC-Ladesäule eine Beitrag zur Maximierung der hohen Ladeleistung über einen langen Zeitraum beitragen oder müssen dafür die fahrzeugeigenen Systeme geändert werden?

Grundsätzlich müssen wir hier systemisch denken: mit der Maximierung der Ladeleistung geht immer einher, dass einerseits das Fahrzeug mit diesen hohen elektrischen Leistungen umgehen können, andererseits diese elektrische Leistung lokal bereitgestellt werden muss. Auch eine smarte Netzintegration sowie Pufferspeicher können zur Verlängerung der Zeitspanne hoher Ladeleistungen in Betracht gezogen werden.

Welche Systeme im Auto müssten für eine optimierte Ladekurve adaptiert werden und wie?

Auch das ist eine komplexe Optimierungsaufgabe, bei der das Thermomanagement eine zentrale Rolle spielt. Dessen Leistungsfähigkeit zu steigern, ermöglicht zwar noch schnelleres Laden, kostet aber Energieeffizienz und erhöht die Herstellkosten des Systems. Letztlich stellt die Lebensdauer der Batterie ein zentrales Optimierungsziel dar, da deren Alterung stark von der Gestaltung der Ladezyklen abhängt.