Polestar-CEO Michael Lohscheller
„Wir glauben an Wissenschaft - und bauen E-Autos”

ArtikeldatumVeröffentlicht am 31.03.2026
Michael Lohscheller CEo Polestar
Foto: Polestar

Polestar ist als Volvo-Tochter gestartet und bietet seit dem Hybrid-Erstling Polestar 1 ausschließlich E-Autos an. Anlaufschwierigkeiten, die stockende Antriebswende sowie Verzögerungen bei Elektronik und Software machten der Volvo-Tochter Probleme. Seit 2020 sammelten sich mehr als vier Milliarden Verluste an.

Polestar Gründungs-CEO Thomas Ingenlath wurde im Oktober 2024 von Michael Lohscheller abgelöst. Der 57-jährige Deutsche war von 2027 bis 2021 Opel-Chef. Unter ihm schaffte die deutsche Marke, inzwischen Teil von Stellantis, den Turnaround. Und natürlich soll Lohscheller auch Polestar profitabel machen.

In Europa wuchs Polestar 2025 um 60 Prozent. Darum legt Lohscheller 2026 den Hauptfokus 2026 dahin – ohne wieder Hybrid- oder gar Verbrennermodell einzuführen. Denn die aktuelle Modellpalette adressiert laut dem CEO nur etwa 25 Prozent des E-Auto-Marktes. Mit vier neuen Modellen, die binnen der nächsten drei Jahre auf den Markt kommen sollen (unter anderem ein volumenstarkes Kompakt-SUV namens Polestar 7), will Lohscheller mehr als 55 Prozent möglicher E-Auto-Kunden ansprechen und so mehr Absatz, Umsatz und letztlich Gewinn machen. Mitte Februar stellte sich der Polestar-CEO in einem Roundtable Fragen von Journalisten, wie das gelingen soll. Hier die wichtigsten Antworten.

Hätte der Polestar 7 nicht viel schneller kommen müssen, wenn Polestar mehr Volumen will?

Michael Lohscheller: Im Nachhinein ist es immer leicht zu sagen, was man hätte anders machen sollen. Aber es wurde sehr gute Arbeit geleistet – auch beim Markenaufbau und damit, mit High-End-Fahrzeugen zu starten. Was wir jetzt machen, ist die Vervollständigung des Gesamtbilds. Wenn man nur in Nischen-Segmenten unterwegs ist, reicht das nicht. Jetzt haben wir beides. Deshalb sage ich: Wir haben das beste EV-Portfolio der Welt – niemand hat ein besseres Portfolio.

Polestar ist als Luxusmarke gestartet und hat dann Richtung Premium skaliert. Will Polestar mit dem 7 ins Volumen-Segment?

Lohscheller: "Premium" ist für mich das bessere Wort. Ich denke an Preis-Premium und auch an Premium in der Kundenwahrnehmung im Vergleich zu bestimmten Wettbewerbern. "Luxus" ist nicht die richtige Beschreibung. Ich will in großen Segmenten sein – aber mit Premium-Anspruch.

Der P7 wird ziemlich groß. Plant Polestar ein Modell unterhalb des 7?

Lohscheller: Das ist aktuell kein Thema.

Wie sehen Sie die Rolle von Polestar innerhalb von Geely? Der Konzern steht für etwa sechs Millionen Autos, Polestar für gut ein Zehntel. Dafür unterstützt Geely Polestar finanziell beträchtlich.

Lohscheller:Daran ist zu erkennen, wie viel Rückhalt wir haben. Ich denke, wir sind sehr gut positioniert, weil wir eine einzigartige schwedische Marke sind – das ist etwas Besonderes. Eine europäische, skandinavische Marke zu haben, ist viel wert -auch für unsere Aktionäre. Wenn wir das jetzt Schritt für Schritt entwickeln und sicherstellen, dass sich die Performance des Unternehmens nach und nach verbessert, profitieren am Ende alle.

Was sind die Auswirkungen einer Politik wie der von Donald Trump auf eine reine E-Auto-Marke?

Lohscheller: Wir glauben an die Wissenschaft. Der Klimawandel ist real, und deshalb fokussieren wir uns weiterhin auf E-Autos. Unsere Kundinnen und Kunden, besonders die jungen, glauben da absolut dran. Wenn wir sagen würden: "Wir bauen jetzt Verbrennungsmotoren in unsere Autos", würden sie sagen: "Das könnt ihr nicht machen. Das kommt für uns nicht infrage." Wir sind überzeugt davon, dass Elektromobilität der richtige Weg ist, und die Wissenschaft bestätigt das. Das ist auch einer der Hauptgründe, warum Menschen zu Polestar kommen. Wir sind ein einzigartiges Automobilunternehmen.

Wie bewerten Sie, dass viele OEMs bei Elektroautos gerade zurückrudern? Wir haben gesehen, dass Stellantis beispielsweise wieder Dieselmotoren einführt.

Lohscheller: Für uns ist das eine gute Chance, weil wir so fokussiert sind. Ich werde ständig gefragt, ob wir einen Hybrid machen. Die Antwort ist nein. Wir werden keinen Hybrid für Europa machen. Das ist doch großartig – weil wir kein CO2 emittieren werden. Das macht vieles einfacher. Wir zeigen heute ein sehr spannendes Produktportfolio – das braucht Investitionen und Ressourcen. Wenn man dann noch Hybride und zusätzlich dies und das obendrauf packt, wird alles immer größer und komplexer. Die Welt muss einfacher werden. Und: Die Mobilität der Zukunft muss die Emissionen massiv reduzieren. Elektrifizierung ist dafür die beste Lösung. Für etablierte OEMs ist es anders: Die müssen ihr bestehendes Geschäft weiterführen – wir nicht. Ich leite Polestar. Was die anderen machen, ist ihre Entscheidung. Und ich kann mir vorstellen, dass die Transformation schneller geht, als manche denken.

Bisher ging sie langsamer als vermutet …

Lohscheller:Das ist normal: Eine Transformation beginnt, alle sind begeistert. Vor fünf Jahren hieß es: "Das kommt auf jeden Fall." Jetzt heißt es: "Das kommt nie." Beides ist falsch. Natürlich wird diese Transformation stattfinden. Wir werden sie nicht aufhalten. Allein schon der Kundinnen und Kunden wegen. Die werden sich nicht für eine alte Technologie entscheiden, sondern für die Technologie der Zukunft. Dass manche jetzt versuchen, das zu bremsen, Kompromisse zu machen oder es zu verschieben, halte ich für eine normale Reaktion. Aber das wird nicht erfolgreich sein. Für uns bietet das eine Riesenchance: Wir sind anders – besser können wir uns doch gar nicht differenzieren.

Macht es Ihnen keinen Sorgen, dass die Antriebswende nicht so schnell läuft, wie vor fünf Jahren prognostiziert? Macht es das für eine reine E-Auto-Marke schwerer?

Lohscheller:In Europa – unseren größten Markt –, sehen wir starkes Wachstum bei Elektroautos. Alle Märkte wachsen. Nicht so schnell wie vor fünf Jahren. Aber der E-Auto-Markt wächst. Und wir werden unsere Segmentabdeckung erhöhen. Momentan sind wir in etwa 25 % des gesamten BEV-Marktes aktiv – das ist ziemlich überschaubar. Aber wie gesagt: Bald haben wir 55 % bis 60 % Abdeckung. Das ist der wichtigste Wachstumstreiber für uns. Selbst wenn die Märkte stagnieren – was sie in Europa nicht tun werden – haben wir zwei Wachstumstreiber: Der gesamte BEV-Markt wächst, und unsere Segmentabdeckung wächst.

Und was machen Sie mit den restlichen 40 % – bewusst liegen lassen?

Lohscheller: Ja. 60 % von allem richtig machen, ergibt schone eine enorme Verbesserung.

Fazit